20 Jahre Tagesfamilien Zofingenregio
Mit der Überführung der Tagesfamilien-Vermittlung in den Verein "Die Tagesfamilie" per 1. Dezember 2026 geht eine Ära zu Ende. Just in diesem Sommer besteht das Angebot seit 20 Jahren – Liliane Elsener führt es von Anfang an. „Wir sind am 1. Juli 2006 fast bei null gestartet“, erinnert sie sich. Die Tagesfamilienvermittlung unter dem Dach von Zofingenregio wurde unter ihrer Leitung und dank ihrem grossen Engagement von Grund auf neu aufgebaut. Seit dem Start der Tagesfamilien-Vermittlung im Jahre 2006 wurden rund 330‘000 Betreuungsstunden geleistet.
Liliane Elsener blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Ereignisse. Im Interview erzählt sie von den prägendsten Entwicklungen in den vergangenen 20 Jahren und erinnert sich an besondere Begegnungen.
Liliane, die Tagesfamilien-Vermittlung Zofingenregio gibt es seit 20 Jahren. Du führst sie von Anfang an. Was waren für Dich die prägendsten Entwicklungen oder Veränderungen in dieser Zeit?
Liliane Elsener: "In den letzten 20 Jahren hat sich unsere Arbeit in der Tagesfamilien Vermittlung Zofingenregio stark weiterentwickelt – und zwar auf mehreren Ebenen. Am prägendsten war für mich die zunehmende Professionalisierung der Tagesbetreuung. Als wir gestartet sind, wurde Tagesfamilienarbeit oft noch als eher informelle Lösung wahrgenommen. Heute ist sie ein anerkannter und wichtiger Bestandteil der familienergänzenden Kinderbetreuung. Mit klaren Qualitätsstandards, Aus- und Weiterbildungen für Tageseltern sowie verbindlichen Rahmenbedingungen hat sich das Berufsbild stark verändert und an Qualität gewonnen. Ein weiterer grosser Wandel betrifft die gesellschaftlichen Bedürfnisse. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in dieser Zeit viel wichtiger geworden. Immer mehr Eltern sind auf flexible Betreuungsangebote angewiesen, oft auch ausserhalb klassischer Arbeitszeiten. Die Nachfrage ist dadurch nicht nur gestiegen, sondern auch vielfältiger und anspruchsvoller geworden. Darauf mussten wir als Vermittlungsstelle immer wieder reagieren und passende Lösungen entwickeln. Auch die Erwartungen an die Betreuung haben sich verändert. Eltern wünschen sich heute eine individuelle, fördernde und verlässliche Betreuungssituation für ihre Kinder. Themen wie frühkindliche Förderung, Integration und Sprachentwicklung spielen eine viel grössere Rolle als früher. Das hat auch unsere Begleitung der Tagesfamilien intensiviert. Ausserdem hat die zunehmende Regulierung und Zusammenarbeit mit Behörden meine Arbeit geprägt. Es gibt heute klarere gesetzliche Vorgaben und mehr Vernetzung mit Gemeinden, Fachstellen und sozialen Institutionen. Das bringt einerseits mehr Verantwortung, andererseits aber auch mehr Sicherheit und Qualität für alle Beteiligten."
Gibt es besondere Begegnungen oder Geschichten mit Tagesfamilien oder Kindern, die Dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
"Was mich über all die Jahre am meisten bewegt hat, sind die vielen Beziehungen und auch Freundschaften, die entstanden sind – zwischen Kindern, Tagesfamilien und Eltern. Jahre nach einer Betreuungsvermittlung habe ich manchmal Tagesmütter mit Jugendlichen im Teenageralter oder jungen Erwachsenen wieder getroffen, die sie einmal betreut haben. Überhaupt: Zu sehen, wie Kinder über Jahre begleitet werden und sich entwickeln, ist für mich bis heute der schönste Aspekt meiner Arbeit."
Mit dem Ende Deiner Tätigkeit und der Einstellung des Angebots geht eine Ära zu Ende – mit welchen Gefühlen blickst Du auf diesen Abschied?
"Der Abschied ist für mich mit sehr gemischten Gefühlen verbunden. Einerseits spüre ich eine grosse Dankbarkeit und auch Zufriedenheit. Ich durfte die Tagesfamilien Vermittlung Zofingenregio über 20 Jahre aufbauen, entwickeln und begleiten – das ist ein grosses Privileg. Wenn ich zurückblicke, sehe ich unzählige Familien, Kinder und Tageseltern, die wir unterstützen konnten. Zu wissen, dass unsere Arbeit für viele eine wichtige Stütze im Alltag war, erfüllt mich mit Stolz. Gleichzeitig ist da natürlich auch Wehmut. Es geht nicht einfach eine Stelle zu Ende, sondern ein ganzes Kapitel meines Lebens. Über die Jahre sind viele persönliche Beziehungen gewachsen, und die Arbeit ist mir sehr ans Herz gewachsen. Das loszulassen, fällt mir nicht ganz leicht. Dass mit meiner Pensionierung auch das Angebot eingestellt wird, macht diesen Abschied noch einmal besonderer. Es fühlt sich tatsächlich ein wenig wie das Ende einer Ära an. Gleichzeitig habe ich Verständnis dafür, dass sich Strukturen und Bedürfnisse verändern und neue Lösungen entstehen. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Bedeutung von familienergänzender Betreuung weiterhin gesehen und weiterentwickelt wird. Und ganz persönlich nehme ich viele wertvolle Erfahrungen, Begegnungen und Erinnerungen mit, die mich auch über diesen beruflichen Abschnitt hinaus begleiten werden."
